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Es werden Posts vom Mai, 2025 angezeigt.

Part 37 - Körperliche Belastbarkeit

"Trag halt nicht wie ein Mädchen!“ – Warum körperliche Härte auf See kein Bonus ist, sondern Grundvoraussetzung Es gibt Jobs, bei denen Muskelkater zum Alltag gehört. Die Seefahrt gehört definitiv dazu. Wer glaubt, dass man hier den ganzen Tag mit dem Fernglas auf der Brücke steht und den Sonnenuntergang beobachtet, kann direkt wieder gehen. Frachtschiff heißt Schleppen, Tragen, Ziehen, Heben – und das oft unter Bedingungen, bei denen andere schon im Fitnessstudio kapitulieren würden. Schleppen, bis die Arme brennen 50 Kilo? Klingt nach viel. Ist es auch – vor allem, wenn du es nicht einmal, sondern fünfmal durch enge Gänge, steile Treppen und vibrierende Maschinenräume schleppen musst. Wenn du die Hitze spürst, das Hemd am Rücken klebt, du kaum hörst, was gesagt wird, weil der Lüfter röhrt und der Kollege gleichzeitig brüllt, weil etwas schiefgeht. Das ist kein Training. Das ist Alltag. Und da gibt es keinen Applaus dafür, dass du etwas Schweres getragen hast. Du machst es einfac...

Part 36 - Mit im Gepäck: MS

Mit der MS im Gepäck ins U-Boot – oder: Wenn du versuchst, mit einem Körper auf Mission zu gehen, der sich manchmal benimmt wie Windows 98. Ich wusste ja, worauf ich mich einlasse. Ich wusste, dass das U-Boot kein Ort für Komfort ist. Aber ich wusste nicht, wie schwer es wirklich wird, wenn man eine chronische Krankheit mitnimmt – in ein Umfeld, das für gesunde Menschen schon hart an der Grenze ist. Ich habe unterschrieben, dass meine MS kein Problem machen wird.  MS + U-Boot = eine explosive Gleichung. 1. Schlaf? Nur als Konzept bekannt. MS und Schlaf – eh schon kompliziert. Aber in einer Kabine mit 5 anderen Männern, ständigem Maschinenlärm, künstlichem Licht und wechselnden Schichten? Schlaf war eine Art Lotterie. Ich hab viel rumgewälzt. Nicht nur wegen der Geräusche, sondern weil mein Körper einfach nicht runterkam. Und wenn man dann doch mal eingeschlafen ist, wurde man entweder durch eine Tür, ein Piepen, einen Kollegen oder den eigenen Körper wieder rausgerissen. Regenerati...

Part 35 - Sinn

Ich habe während meiner U-Boot Tour viel Tagebuch geschrieben. Mal stupide Tagesabläufe, mal einfach meine wirren Gedanken. Chronologisch und jeden Tag. Seite 3 meines Tagebuchs blieb lange leer. Eine Seite, die ich mit Sinn füllen wollte. Sinn meines Seins. Sinn meines Schaffens. Sinn für mich in meinem Leben. Man braucht für sich natürlich keinen Sinn definieren, mir tut das aber irgendwie ganz gut - der Sinn, der mich aus Löchern holt, mich motiviert, mich inspiriert und mir manchmal einen Tritt in den Arsch gibt. Diese Seite habe ich auf dem U-Boot füllen können. Ich werde meine wirren Gedanken ungefiltert schreiben, wie ich es geschrieben habe, ohne es auszubessern oder umzuschreiben. So bleibt es am realsten.  "Mein Sinn.  Ich bin ich. Und das ist gut so. Wie möchte ich sein? Was möchte ich?  Ich möchte real sein. Echt. Ohne Masken. Ich hasse Masken. Masken machen das Leben manchmal einfacher. Aber will ich ein einfaches Leben oder ein echtes? Ein echtes. Zu 100%. S...

Part 34 - Isolation und Einsamkeit

Allein unter Menschen – Isolation im U-Boot Hi ihr Süßen, diesmal geht’s ums große Thema Isolation und Einsamkeit. Und nein – das ist nicht nur was für Arktis-Forscher, Astronauten. Das trifft dich auch, wenn du mit fünf Männern in einer Metallröhre unter Wasser hockst und keinen Plan hast, ob draußen gerade Frühling oder Zombie-Apokalypse ist. Keine Nachrichten . Keine Infos. Kein Außen. Es gab KEINEN echten Kontakt zur Außenwelt. Null Empfang. Keine Push-Nachrichten, kein Scrollen durch Insta, keine sinnlosen Gruppenchats, keine Voice-Memos von Lena, in denen sie sich über die Bahn aufregt. Empfangen: nix. Schicken: ging per Funk, ja. Aber mal ehrlich – das hat’s nur schlimmer gemacht. Wenn ich dann 'ne knappe Seite Funktext rausgeschickt hab wie „fjwicuriwidj fkejejcurit“ und dann nichts zurückkam – hat das das Gefühl von abgeschnitten sein nur noch verstärkt. Du schickst was ins Nirgendwo. Als würdest du 'ne Flaschenpost ins Weltall werfen. Cool, aber auch mega traurig. Abe...

Part 33 - Räumlichkeiten auf dem U-Boot

Räumlichkeiten – Leben auf engstem Raum Hi ihr Lieben, heute geht’s um ein Thema, das viele unterschätzen, aber massiv auf die Stimmung drückt: Räume. Oder besser gesagt: das Fehlen von Raum. Drei Wochen auf engstem Raum – keine Fenster, keine frische Luft, kein Rückzugsort. Alles hat irgendwie funktioniert, aber nichts war angenehm. Schlafraum – meine kleine Höhle mit fünf Männern drumherum Ich hab in einer 6er-Kabine geschlafen. Drei Stockbetten, jeweils übereinander. Ich hatte das unterste Bett – auf den ersten Blick praktisch, weil kein Geklettere, auf den zweiten Blick nervig, weil man quasi auf Bodenhöhe liegt. Direkt neben Schuhen, Taschen, Kisten, Dreck. Jedes Bett hatte einen dünnen nicht ganz vollständig schließbaren Vorhang – das war’s an „Privatsphäre“. Keine Tür, kein Schrank, kein Raum für sich. Über dem Bett ein schmaler Regalboden – da mussten alle persönlichen Dinge rein. Zahnbürste, Snacks, Buch, Kopfhörer, Powerbank, Tagebuch... alles in Reichweite, aber eben auch a...

Part 32 - Die Sache mit der Privatsphäre

Die Sache mit der Privatsphäre Hi ihr lieben, ich will heute ein Thema aufgreifen, das mir viele von euch schon geschickt haben – und das tatsächlich ziemlich zentral war während der Zeit im U-Boot: Privatsphäre. Oder besser gesagt: der komplette Mangel daran. Ich war in einer 6er-Kabine untergebracht. Drei Stockbetten, sechs Personen. Fünf Männer. Nur ich als Frau. Das war... sagen wir: gewöhnungsbedürftig. Jeder hatte so einen kleinen Vorhang am Bett, der zumindest optisch etwas abgeschirmt hat – aber wer schon mal mit 5 schnarchenden, furzenden und halbnackten Männern in einem Raum geschlafen hat, weiß: Der Vorhang bringt dir auch nicht den Seelenfrieden zurück. Und um schon mal vorwegzunehmen: Privatsphäre heißt für mich auch nicht nur alleine meinen Safespace zu haben, sondern auch zu kontrollieren, was für Reize einen so anpacken, die man alleine vermeiden könnte... Geräusche, Geräusche und auch die ein oder andere Arschritze, die meine Augen erspähen mussten / durften.  Ich ...

Part 31 - Meine Arbeit

Hi ihr Lieben, heute geht's mal ein bisschen weg von meinen Gefühlen und mehr hin zur Arbeit. Zum Alltag. Zum technischen Teil. Ich weiß, dass viele von Euch genau dazu Fragen hatten – was macht man denn da eigentlich konkret? Was genau ist der Job als Test- und Prüfingenieurin an Bord? Was sind das für Aufgaben? Welche Szenarien werden getestet? Ich sag’s gleich zu Beginn: Ich darf – verständlicherweise – nicht alles erzählen. Keine genauen Bauteile, keine genauen Szenarien, keine Abläufe, keine Systeme. Sicherheit. Militär. Geheimhaltung. Ihr kennt das ja von mir. Aber ich kann Euch einen Einblick geben, was man grundsätzlich tut und wie sich die Arbeit anfühlt. Was mich persönlich daran reizt, was daran anstrengend ist – und was richtig Spaß macht. Was macht man eigentlich als Test- und Prüfingenieurin auf einem U-Boot (oder Schiff)? Kurz gesagt: Ich bin zuständig dafür, dass bestimmte Systeme und Bauteile funktionieren. Unter allen Umständen. Es geht nicht nur darum, ob etwas „...

Part 30 - Wieder aufgetaucht

Hi ihr lieben,  es fällt mir extrem schwer das alles irgendwie in Worte zu fassen. Die Zeit im U-Boot war krass.. surreal und ich hab' bisher noch wenig davon realisiert. Es fühlt sich alles so an, als wäre es ein Traum gewesen. Oder zwei Tage im Simulator. Aber tatsächlich war es real - 3 Wochen abgeschottet im U-Boot. Ich habe viele Gedanken, viel wirre Gedanken und chaotische Erinnerungen, die ich etwas niederschreiben möchte. Für mich, für mein Zukunfts-Ich, für Lena und für Euch. Ich freu mich sehr auf den Austausch mit Euch und auf eure Kommentare und euer Feedback.  Ich hab von Euch einige Fragen und Input bekommen.. neben "alles" interessiert Ihr euch vor allem bzgl. meiner Gefühle, meiner Probleme, Crew, Zimmer, Bad, Privatsphäre, Aufgaben.... ich werde zu jedem Punkt sicher einiges schreiben. Sollten Fragen offen bleiben, fragt gerne 😘 Bitte seht es mir nach, dass ich aufgrund Geheimhaltung nichts konkretes über Aufgaben, Route, Technik posten kann - auch Bilde...