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Part 48 - Endlich eine Kollegin mit an Bord. Juhu?

Zwei Frauen, eine Kabine – und alles, was man sich vorher nicht so richtig eingesteht Neue Tour heißt für mich normalerweise: neue Route, neue Technik, neuer Rhythmus. Was gleich bleibt, ist dieser eine Ort, der mir gehört. Meine Kabine. Mein Rückzugsraum. Der einzige Platz auf dem ganzen Schiff, an dem ich einfach nur ich sein kann. Diesmal ist das anders. Ich werde mir meine Kabine teilen. Mit einer Kollegin. Und je näher der Start kommt, desto klarer wird mir, dass das nicht einfach nur eine organisatorische Änderung ist. Das greift viel tiefer rein, als ich es am Anfang wahrhaben wollte. Das Offensichtliche zuerst: Es ist eine Frau. Und das ist tatsächlich etwas, das sich sofort anders anfühlt. Wer schon mal auf einem Frachter unterwegs war, weiß, wie männlich diese Umgebung ist. Nicht unbedingt feindlich, aber konstant geprägt von einer bestimmten Art von Umgangston, Humor, Präsenz. Du bist oft die Ausnahme. Diejenige, die auffällt, ob du willst oder nicht. Jetzt ist da noch eine....

Part 47 - schöne Dinge fürs Haus? Eher ungern

Warum ich mir ungern schöne Dinge ins Haus stelle Klingt komisch: Ich arbeite hart, bin selten zuhause; und trotzdem kauf ich mir kaum schöne Sachen für die Wohnung. Kein fancy Deko-Kram, kaum persönliche Gegenstände, keine süßen Erinnerungsstücke überall verteilt. Nicht weil ich keinen Geschmack hätte (wobei es da unterschiedliche Meinungen gibt 😆). Sondern weil ich sie am Ende eh wieder stehen lasse, wenn ich aufs Schiff gehe. Schöne Dinge bedeuten, dass ich sie vermissen werde. Und das tu ich sowieso schon oft genug. Die meisten Menschen richten sich ihr Zuhause ein, damit es warm, persönlich und voller Erinnerungen ist. Für mich ist genau das der Trigger: Wenn ich zu lange auf See bin und an Zuhause denke, dann ist dieses Zuhause plötzlich ein Museum meiner Abwesenheit. Jede Kerze, jedes Bild, jedes Souvenir steht dann da und schreit: „Das hast du dir gekauft, und jetzt bist du wieder nicht da, um es zu genießen.“ Besonders schlimm: emotionale Geschenke. Postkarten, kleine Erinner...

Part 46 - wenn die Festplatte voll ist

Erinnerungen festhalten – wie man unterwegs weniger vergisst Je mehr man reist, desto mehr verschwimmt. Orte, Menschen, Erlebnisse.... alles geht ineinander über, und plötzlich fragt man sich: Wann war das eigentlich? Ich finde das schade. Es gibt aber ein paar Tricks, wie man das Gedächtnis schärfen und die Momente wirklich behalten kann. Ich weiß, ich bin hier in einer sehr privilegierten Lage und darf unheimlich viel erleben und sehen. Aber auch alltägliches verschwimmt. Im Hier und Jetzt bleiben Viele Erinnerungen verschwimmen, weil wir sie gar nicht richtig erleben, sondern nur dokumentieren. Wenn man alles sofort durch die Linse oder das Display filtert, dann merkt sich das Gehirn: Foto gemacht, erledigt. Aber die eigentliche Situation geht dabei verloren. Darum lohnt es sich, das Handy bewusst wegzulegen. Mal keine Kamera, keine Nachrichten, keine Ablenkung. Einfach nur wahrnehmen: den Wind im Gesicht, das Geräusch der Möwen, den salzigen Geschmack in der Luft, das leise Brummen...

Part 45 - Sprache und Charakter

Es gibt nicht nur eine Lea. Es gibt mindestens acht. Und sie alle sprechen unterschiedliche Sprachen. Nicht im Sinne von: Ich kann in acht Sprachen einen Kaffee bestellen. Sondern: Ich verändere mich, wenn ich die Sprache wechsle. Ich weiß nicht, ob ich hier zu viel rein interpretiere, aber es fällt mir schon auf. Liegt natürlich auch am Gegenüber, aber vielleicht ist es Euch auch schon aufgefallen; dass sich euer Charakter ändert, wenn ihr die Sprache ändert.  Tonfall, Haltung, Humor, Auftreten, sogar Denkstruktur, all das passt sich an. Nicht bewusst. Es passiert einfach. Sprache drückt nicht nur Gedanken aus. Sie formt sie. Und mit den Gedanken auch den Charakter. Ich habe lange gebraucht, um das zu merken. Aber heute weiß ich: Je nach Sprache bin ich jemand anderes. Nicht vollkommen fremd. Aber doch spürbar anders. Irgendwie komisch zu erklären oder zu beschreiben, aber ich versuche hier mal meine Gedanken pro Sprache etwas zu erklären. Für gewöhnlich spricht man auf dem Schiff...

Part 44 - Kleidung und Charakter

Ich bin nicht jeden Tag dieselbe Person. Nicht im Kern, aber in der Art, wie ich auftrete. Wie ich spreche, wie ich gehe, wie ich denke. Ich verändere mich. Nicht grundlegend, aber spürbar. Und einer der stärksten Auslöser für diese Veränderung ist: Kleidung. Klingt banal, oder? Ist es nicht. Kleidung entscheidet bei mir nicht nur, ob mir warm ist, oder ob ich praktisch angezogen bin. Kleidung verändert meine Rolle und mit ihr meinen Charakter. Und das passiert nicht bewusst. Es passiert automatisch, wie ein inneres Umschalten. Fast, als hätte jede Kleidung ein eigenes Betriebssystem, das mein Verhalten neu kalibriert. 1. In Arbeitskleidung: Ich werde funktional, hart, direkt – fast unnachgiebig Wenn ich in meine Arbeitsklamotten steige, passiert etwas Tiefgreifendes, fast wie ein psychologischer Schaltvorgang. Ich verschwinde als Frau. Nicht vollständig, nicht innerlich – aber äußerlich bin ich nicht mehr als weiblich lesbar. Meine Rundungen? Weg. Taille? Weg. Meine Brüste wirken unte...

Part 42 - Was tägliches Abenteuer mit einem macht

Was tägliches Abenteuer mit einem macht Abenteuer. Klingt für viele nach Freiheit, Sonnenuntergang, große Geschichten. Für mich ist es: Alltag. Jobbeschreibung. Realität. Und die ist nicht nur cool, sie frisst dich auf, Stück für Stück, ob du’s merkst oder nicht. Ich hab irgendwann gemerkt: Wenn du jeden Tag Stress hast, echten Stress, der dich an deine Grenzen bringt, dann werden Alltagsprobleme so klein, dass du fast drüber stolperst, weil du sie gar nicht mehr ernst nimmst.  Rechnungen, Termindruck, Streit in der Familie? Lächerlich, wenn du ein paar Stunden vorher in einer Zone unterwegs warst, wo einer mit ’ner Kalaschnikow dein Schiff liebäugelt. Am Anfang fühlt sich das geil an. Du wirst zäh, du bist hart im Nehmen, du grinst über Sorgen, die andere zerfressen. Du denkst dir: „Ich hab Schlimmeres überlebt. Komm mir nicht mit Kleinzeug.“ Aber das ist auch ein Teufelskreis. Dein Kopf verlangt mehr. Du brauchst den nächsten Kick. Du gewöhnst dich an Adrenalin wie andere an Kaff...

Part 40 - Alleine Reisen - die Herausforderungen

Nun zu den Herausforderungen und Schwierigkeiten....  1. Niemand fängt dich auf, wenn was schiefgeht (Verletzung, Überfall, Verlust). Alleine unterwegs zu sein ist Freiheit — aber es heißt auch: Du bist dein eigenes Sicherheitsnetz. Wenn du dir ein Bein brichst, dir den Magen verdirbst oder dir nachts jemand die Tasche klaut, ist da niemand, der dich schnell ins Krankenhaus fährt, deine Sachen bewacht oder dich einfach mal festhält, wenn du Panik schiebst. Mit Lena zusammen oder mit Freunden wäre das anders: Da teilt man den Stress. Wenn einer überfallen wird, kann der andere rennen, Hilfe holen, Karten sperren, während du dich halbwegs sortierst. Allein hast du diese Option nicht. Du musst deinen Kopf oben behalten, auch wenn dir kotzübel ist oder du dich irgendwo verletzt hast. Ich hab das selber schon ein paar Mal gemerkt, nichts Dramatisches, aber Kleinigkeiten reichen: Portemonnaie verloren, Kreditkarte blockiert, einmal ziemlich fiese Magenkrämpfe mitten in der Pampa. Da bis...