Part 30 - Wieder aufgetaucht

Hi ihr lieben, 


es fällt mir extrem schwer das alles irgendwie in Worte zu fassen. Die Zeit im U-Boot war krass.. surreal und ich hab' bisher noch wenig davon realisiert. Es fühlt sich alles so an, als wäre es ein Traum gewesen. Oder zwei Tage im Simulator. Aber tatsächlich war es real - 3 Wochen abgeschottet im U-Boot. Ich habe viele Gedanken, viel wirre Gedanken und chaotische Erinnerungen, die ich etwas niederschreiben möchte. Für mich, für mein Zukunfts-Ich, für Lena und für Euch. Ich freu mich sehr auf den Austausch mit Euch und auf eure Kommentare und euer Feedback. 

Ich hab von Euch einige Fragen und Input bekommen.. neben "alles" interessiert Ihr euch vor allem bzgl. meiner Gefühle, meiner Probleme, Crew, Zimmer, Bad, Privatsphäre, Aufgaben.... ich werde zu jedem Punkt sicher einiges schreiben. Sollten Fragen offen bleiben, fragt gerne 😘 Bitte seht es mir nach, dass ich aufgrund Geheimhaltung nichts konkretes über Aufgaben, Route, Technik posten kann - auch Bilder wird es keine geben. Ich werde aber hoffentlich alles gut beschreiben können. 

Allererst: Mir geht's ganz gut. Körperlich fehlt mir nichts. Gedanklich weiß ich es noch nicht, mein Kopf kommt noch nicht so ganz hinterher mit Verarbeiten. 

Zeitlich tu ich mir unheimlich schwer... es hätten 3 Tage sein können oder 3 Monate, ohne einen echten Tagesrhythmus kommt es einem vor als wäre man in einer Simulation gefangen und alles nur "gespielt". Kein Kontakt nach außen, keine Sonne, keine Nacht... alles echt seltsam und unmöglich irgendwie zu beschreiben. Teilweise fühlte sich das Aufwachen jeden Morgen so an, als würde der letzte Tag wieder neu von vorne beginnen a la Täglich grüßt das Murmeltier. Ich glaube diese Tatsache könnte auch dazu führen, dass man irgendwann geistig abschaltet und irre wird. Umso wichtiger waren für mich von Anfang an gut tuende Routinen.. ein fester Tagesablauf, Hobbies und "reale" Ablenkung. Ablenkung, die was mit der Welt zu tun haben; also Film, Musik, Videos, Hörbücher... Zeichnen oder auch Stricken taten mir da gar nicht gut, das hat diesen Effekt der "Simulation" und Abschottung nur noch verstärkt. Ich hatte den Dreh aber glücklicherweise relativ schnell heraus und konnte mir künstlich so meinen Rhythmus zusammenbasteln. Und in diesem Kontext muss ich auch sagen, dass es mir half, 5 Männer mit im Zimmer zu haben. Ein Einzelzimmer hätte diesen Effekt wahrscheinlich nur noch verstärkt. 

Es ist außerdem ein total beschissenes Gefühl soviel zu verpassen - ein FOMO Gefühl habe ich normalerweise nur selten und damit komm ich klar, das bin ich ja gewohnt. Aber schlimmer als ein:" Oh man, meine Freundin macht gerade das und da wäre ich jetzt auch gerne dabei." ist das "Oh man, gibt es meine Freundin eigentlich noch? Wie geht es ihr? Was macht sie überhaupt?". Das war schwer. Ich bin mir aber sicher, dass diese FOMO Aspekte nun auf meinen Schiffsreisen deutlich besser sind - weil ich's nun mehr schätzen kann, mehr oder weniger live erfahren zu können, was gerade so passiert. Das ist 100 mal mehr wert als gar nichts erfahren zu können. 

Ich möchte euch noch vom Öffnen der Luke erzählen. Die Luke, die 3 Wochen nicht berührt wurde. Die Luke zur Freiheit. Die Luke zur Welt. Die Luke zu Allem. Wirklich allem. Alles was man kennt, alles was man liebt, alles was man kennt, befindet sich hinter der geöffneten Luke. Und mit einem schnellen Griff war diese Luke wieder auf. Und Licht. Sonnen bzw. Mondlicht. Himmel. Geräusche!! Die Geräusche von Wasser, Möwen, Wolken.. hat mich absolut umgehauen und mir Tränen in die Augen getrieben. Sogar die Männer waren überwältigt. Und ganz irre war auch Wind. Ich habe in den Wochen keinen Wind gespürt. Wie schön ist Wind bitte? Es tat so gut. So frisch. So echt. Freiheit. Und Gerüche. Endlich kein öliges Metal mehr. Wasser, Frische.. alles. Natur, Welt. Unfassbar. Es tat so gut und hat so überwältigt. Es ist absolut auch too much. Bin gar nicht hinterher gekommen diese Eindrücke zu verarbeiten. Und damit tu ich mir, 16h nach Öffnung, immer noch schwer. Es ist wahnsinnig, wie viele Reize wir um uns herum haben, die man irgendwie ausblendet. Und die sind nun alle wieder da. Alle Sinnesorgane arbeiten nun wieder auf Vollast, nachdem sie irgendwie auf Standby gezwungen wurden. Schwierig zu beschreiben, aber vielleicht kann man es nachvollziehen. Mal sehen, wie lange das noch anhält. Auf jeden Fall kann ich sagen: Die nächste Tour auf dem Schiff, die ja in ein paar Wochen schon wieder losgeht, wird deutlich einfacher... weil die Sinne alle normal arbeiten dürfen und können und die Abschottung nicht vorhanden ist. Ich freu mich, mit diesem neuen Mindset in die neue Tour starten zu können. 


Hab Euch lieb!



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