Part 34 - Isolation und Einsamkeit
Allein unter Menschen – Isolation im U-Boot
Hi ihr Süßen,
diesmal geht’s ums große Thema Isolation und Einsamkeit. Und nein – das ist nicht nur was für Arktis-Forscher, Astronauten. Das trifft dich auch, wenn du mit fünf Männern in einer Metallröhre unter Wasser hockst und keinen Plan hast, ob draußen gerade Frühling oder Zombie-Apokalypse ist.
Keine Nachrichten. Keine Infos. Kein Außen.
Es gab KEINEN echten Kontakt zur Außenwelt. Null Empfang. Keine Push-Nachrichten, kein Scrollen durch Insta, keine sinnlosen Gruppenchats, keine Voice-Memos von Lena, in denen sie sich über die Bahn aufregt.
Empfangen: nix.
Schicken: ging per Funk, ja. Aber mal ehrlich – das hat’s nur schlimmer gemacht. Wenn ich dann 'ne knappe Seite Funktext rausgeschickt hab wie „fjwicuriwidj fkejejcurit“ und dann nichts zurückkam – hat das das Gefühl von abgeschnitten sein nur noch verstärkt. Du schickst was ins Nirgendwo. Als würdest du 'ne Flaschenpost ins Weltall werfen. Cool, aber auch mega traurig. Aber ich hab das Schicken eisern durchgezogen... ohne Wissen, ob das alles ankommt. Und mit dem Wissen nicht bekommen zu können.
Phantom-Vibrationen: Mein Hirn wollte WLAN.
Die ersten Tage hab ich ungelogen ständig mein Handy gecheckt. Obwohl ich genau wusste, es bringt nix. Es lag irgendwo tief in der Tasche und war eh im Flugmodus. Aber mein Körper?
Der dachte: Vibrier! Jetzt!
Phantom-Vibrationen vom Allerfeinsten. Ich hab das Ding gefühlt, obwohl’s nicht da war. Mein Gehirn hat aus Reflex alle paar Minuten gecheckt, ob jemand geschrieben hat. Niemand hatte geschrieben. Niemand konnte schreiben. Weil ich UNTER DEM MEER war, verdammt.
Ich hab erst in Woche zwei langsam akzeptiert, dass da nix mehr kommt.
Einsamkeit trotz voller Kabine
Klingt erstmal paradox, aber ja – du kannst dich mit fünf Typen im gleichen Zimmer und 20 Leuten auf dem Boot komplett allein fühlen. Du bist umgeben von Stimmen, Geräuschen, Bewegung – aber innerlich leer. Kein Kontakt zu den Menschen, die wirklich wichtig sind. Keine vertraute Stimme. Keine Umarmung, kein Blick von jemandem, der dich wirklich kennt.
Was geholfen hat?
Ironischerweise: dass immer was los war. Volles Zimmer, dauernd Action, Arbeit, kleine Dramen – das lenkt ab. Da kommt keine Zeit zum Grübeln. Keine Chance, sich ins Einsamkeits-Loch zu suhlen. Und das war gut so. Die Männer haben mich zwar manchmal genervt, aber sie waren auch der Grund, warum ich nicht durchgedreht bin.
Zeitgefühl: Komplett verloren
Oh Leute – die Zeit war der größte Mindfuck.
Ich wusste nie, welcher Wochentag war. Ob’s früh, spät, Tag, Nacht ist – keine Ahnung. Uhren gab’s natürlich, klar, aber mein Körper hat nix mehr gecheckt.
Ich bin aufgewacht und es war: Licht. Ich bin schlafen gegangen und es war: Licht. Es war immer Licht. Oder gar kein Licht. Oder rotes Licht. Völlig Banane.
Teilweise dachte ich: Sind wir hier seit 2 Tagen oder seit 2 Monaten?
Kein Himmel, kein Sonnenstand, keine Nachtgeräusche. Alles künstlich. Alles kontrolliert. Und dadurch: kein Rhythmus.
Isolationstraining – wie Astronautentraining, nur ohne Schwerelosigkeit
Was viele nicht wissen: Für so eine Mission gibt es richtiges Training. Kein „hier hast du ein Buch, viel Spaß“, sondern echte Vorbereitung auf Isolation. Das ist psychisch mindestens genauso wichtig wie der technische Teil.
Man lernt:
- Wie tickt der eigene Kopf in Isolation?
- Wie kann man sich selbst stabilisieren, wenn alles um einen herum stillsteht?
- Welche Routinen helfen?
- Was tun bei Panik, bei völliger Leere, bei Überforderung?
Die Isolationstrainings orientieren sich an Modellen aus der Raumfahrt. Astronauten sitzen monatelang in engen Modulen mit ein paar Leuten zusammen, abgeschnitten vom Rest der Welt. Und genau wie da, muss man auch im U-Boot lernen:
Wie bleibt mein Kopf stabil, wenn nichts mehr von außen reinkommt?
Coping-Strategien, die man lernt (oder sich selbst beibringt):
Struktur statt Chaos
Jeden Tag halbwegs gleich gestalten. Gleiche Abläufe. Gleiche „Zeiten“ – auch wenn die künstlich sind. Aufstehen, Kaffee, Workout, Aufgaben, Entspannung.
So banale Routinen geben Halt – weil sie das Gefühl von Kontrolle vermitteln.
Realitätsanker setzen
Alles, was dich mit der Außenwelt verbindet, hilft. Musik, Filme, Hörbücher, Serien, Bücher, Podcasts. Alles, was da draußen existiert. Also nix selbst Erfundenes, nix Malen, nix Basteln – das führt oft nur tiefer in die eigene Bubble. Ich hab auch ein paar Mal gemerkt, dass Stricken oder Zeichnen mich komischerweise eher depressiv gemacht hat.
Körper in Bewegung halten
Bewegung ist essentiell. Sportprogramm, Dehnübungen, Muskeltraining.
Nicht weil’s um Fitness geht, sondern weil sich Bewegung direkt aufs Hirn auswirkt. Man verarbeitet Stress über Bewegung. Die NASA gibt da klare Pläne vor: täglich mindestens 30 Minuten strukturierte Aktivität – für Körper und Geist. Auch ein schneller Orgasmus tut da manchmal kurzfristig ziemlich gut.. auch wenn er nur mal schnell und ohne große Lust entstanden ist. Aber dazu mehr weiter unten.
Achtsamkeit – ohne Räucherstäbchen
Klingt lame, hilft aber: Atemübungen, kleine Meditationsroutinen, Fokusübungen.
„Wo bin ich, was fühle ich, was höre ich?“ – das hilft, nicht komplett abzudriften.
Soziale Mikrostruktur aufbauen
Auch wenn man sich die Menschen nicht ausgesucht hat: man braucht Bezugspersonen. Kleine Rituale im Team helfen – z.B. gemeinsames Essen, Witz des Tages, Minispiele, Musik teilen. Man muss irgendwas aufbauen, das ein Gefühl von Gemeinsamkeit erzeugt, sonst vereinzelt man komplett.
Emotionen beobachten, nicht wegdrücken
Traurigkeit, Angst, Wut, Leere – das kommt alles. Und das ist auch okay. Wichtig ist: nicht überreagieren. Nicht gleich denken: „Ich dreh durch“. Sondern: benennen, einordnen, Raum geben, weitermachen.
Mediales Detox akzeptieren lernen
Der größte Schock ist oft der digitale Entzug. Man muss lernen, dass man nicht jederzeit alles wissen muss. Und dass es okay ist, mal nicht zu reagieren. Man stirbt nicht davon. Auch wenn’s sich manchmal so anfühlt.
Das ist kein Wellnessprogramm. Das ist wie mentales Gewichtheben.
Du trainierst, um nicht zu implodieren. Und auch wenn ich viele Techniken erst unterwegs selbst verfeinert habe – das Grundgerüst hat echt geholfen.
Ich sag’s wie’s ist: Ich bin dankbar, das gelernt zu haben.
Weil ich weiß, was mein Kopf aushält.
Weil ich weiß, was ich tun muss, wenn er droht, wegzubrechen.
Und weil ich jetzt viel bewusster mit meiner mentalen Stabilität umgehe – auch an Land.
Und ganz ehrlich: Nach dem U-Boot fühlt sich selbst ein verregneter Hafentag wie Wellnessurlaub an.
Post-Nut Clarity – gibt’s das auch bei Frauen?
Oh ja. Nicht im exakt gleichen Stil wie bei Männern, aber das Prinzip ist dasselbe:
Diese plötzliche emotionale Klarheit, Schwere und Emotionalität nach dem Orgasmus. Der Moment, in dem man plötzlich weiß: „Das war jetzt nötig – aber eigentlich hab ich ein ganz anderes Problem.“ Die Gedanken schalten ab und komplett um gleichzeitig. Wühlen auf oder machen ein ganz neues Fass frisch auf.
Gerade in Isolation, wenn Nähe fehlt und das Kopfkino Überstunden schiebt, ist Selbstbefriedigung oft nicht nur Ventil, sondern auch Ersatzhandlung. Und ja – es hilft manchmal, den Druck abzubauen. Aber der Effekt danach kann ziemlich brutal sein.
Da liegt man dann, halb nackt unter der Decke, noch mit der Hand in der Hose, im grell beleuchteten U-Boot, zwischen fünf schnarchenden Typen – und denkt sich:
„Na super. Jetzt ist's raus – und alles fühlt sich noch leerer an.“
Willkommen in der weiblichen Version von Post-Nut Clarity.
Was dann greift, ist nicht „Reue“, sondern eher so eine Erkenntnis wie:
„Okay. Das war Körper. Aber mein Kopf... hat ganz andere Themen.“
Und das kann in einer Umgebung ohne Rückzugsmöglichkeiten schon hart sein.
Kein Rückzugsort, kein Streicheln danach, kein echtes Runterkommen. Nur kaltes Licht, schnelles Reinigen, zurück ins Bett, so tun als wär nix.
Ich glaube, gerade in Einsamkeit und Isolation kann dieser Effekt besonders intensiv sein. Weil man merkt: körperliche Erleichterung ist nicht gleich emotionale Nähe. Und das, was einem wirklich fehlt, ist oft gar nicht Sex – sondern Nähe, Sicherheit, Verbindung.
Die Klarheit danach macht das schmerzhaft deutlich.
Aber – im besten Fall – auch hilfreich klar.
Denn manchmal checkt man genau in diesem Moment, was man sich eigentlich wünscht. Und das ist ziemlich wertvoll – selbst wenn's in dem Moment wehtut.
Fazit – Frachtschiff? Paradies!
Und jetzt – ganz ehrlich – freue ich mich wie verrückt auf mein Frachtschiff.
Weil:
Ich bin nicht eingesperrt.
Ich hab Fenster.
Ich kann raus, Licht sehen, Himmel sehen.
Und das Beste: Ich bin online. Immer.
Ich kann Lena schreiben. Ich kann sehen, was auf der Welt passiert. Ich kann mich beschweren, wenn mein Kaffee zu kalt ist, und das mit der Welt teilen.
Früher – als Frachtschiffe auch noch kein Netz hatten – war das ok. Da hatte man Briefe, Funk, ein bisschen Radio. Aber da war’s draußen. Da war die Welt noch sichtbar.
Im U-Boot ist alles weg. Alles abgeschaltet. Und das spürst du tiefer, als du denkst.
Ich werd das nie mehr für selbstverständlich halten – dieses verbunden sein. Und das ist vielleicht das größte Learning überhaupt. Zumindest sage ich das jetzt. Wer weiß, wie schnell man sich wieder vollständig daran gewöhnt hat.
Hab euch lieb – danke fürs Lesen. Und meldet euch – solange ich’s empfangen kann!
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