Part 47 - schöne Dinge fürs Haus? Eher ungern

Warum ich mir ungern schöne Dinge ins Haus stelle


Klingt komisch: Ich arbeite hart, bin selten zuhause; und trotzdem kauf ich mir kaum schöne Sachen für die Wohnung. Kein fancy Deko-Kram, kaum persönliche Gegenstände, keine süßen Erinnerungsstücke überall verteilt.

Nicht weil ich keinen Geschmack hätte (wobei es da unterschiedliche Meinungen gibt 😆). Sondern weil ich sie am Ende eh wieder stehen lasse, wenn ich aufs Schiff gehe. Schöne Dinge bedeuten, dass ich sie vermissen werde. Und das tu ich sowieso schon oft genug. Die meisten Menschen richten sich ihr Zuhause ein, damit es warm, persönlich und voller Erinnerungen ist. Für mich ist genau das der Trigger: Wenn ich zu lange auf See bin und an Zuhause denke, dann ist dieses Zuhause plötzlich ein Museum meiner Abwesenheit. Jede Kerze, jedes Bild, jedes Souvenir steht dann da und schreit: „Das hast du dir gekauft, und jetzt bist du wieder nicht da, um es zu genießen.“

Besonders schlimm: emotionale Geschenke. Postkarten, kleine Erinnerungen, Fotos. Die liebevollen Dinge, die eigentlich wärmen sollen. Bei mir machen sie’s manchmal schlimmer. Ich seh sie, ich freu mich und dann weiß ich, dass ich ihnen wieder Tschüss sagen muss. Wochenlang. Manchmal Monate. Und wenn ich zurückkomme, steht alles da wie eingefroren, so als hätte mein privates Leben auf Pause gedrückt, während ich draußen weiterlaufe.

Das klingt hart. Ist es auch. Seefahrt macht dich pragmatisch in Bereichen, in denen andere sentimental werden. Ich liebe mein Zuhause, gerade weil es kein Altar der Sehnsucht ist. Es soll ein Ort bleiben, der sich ruhig anfühlt, nicht wie eine Vitrine voller „du bist wieder weg“-Momente.

Ich vermeide Dinge, die mich emotional binden, wenn ich weiß, dass ich sie bald wieder verlassen muss. Darum keine überladenen Regale. Keine Sammlung von Karten, die mir jemand mit Liebe geschrieben hat. Wenig Deko, wenig „Kram, der Geschichten trägt“. Zuhause soll nicht jedes Mal wehtun, wenn ich die Tür hinter mir schließe.

Stattdessen: Klarheit. Raum. Funktionalität. Wenn ich da bin, lebe ich. Wenn ich weg bin, ist die Wohnung kein Verlust, sondern einfach ein Ort, der auf mich wartet, ohne mir Vorwürfe zu machen.

Vielleicht wirkt das nüchtern. Vielleicht ist es eine Art Schutz. Vielleicht ist es einfach die Realität, wenn dein Leben sich ständig zwischen zwei Welten abwechselt.

Ich finde es so besser. Weniger Dinge, weniger sentimentale Fallen, weniger Schmerz beim Wieder-Gehen.

Und wenn ich wirklich etwas wertschätze? Dann trag ich’s nicht im Regal. Sondern in mir.

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