Part 33 - Räumlichkeiten auf dem U-Boot

Räumlichkeiten – Leben auf engstem Raum

Hi ihr Lieben,

heute geht’s um ein Thema, das viele unterschätzen, aber massiv auf die Stimmung drückt: Räume. Oder besser gesagt: das Fehlen von Raum. Drei Wochen auf engstem Raum – keine Fenster, keine frische Luft, kein Rückzugsort. Alles hat irgendwie funktioniert, aber nichts war angenehm.

Schlafraum – meine kleine Höhle mit fünf Männern drumherum
Ich hab in einer 6er-Kabine geschlafen. Drei Stockbetten, jeweils übereinander. Ich hatte das unterste Bett – auf den ersten Blick praktisch, weil kein Geklettere, auf den zweiten Blick nervig, weil man quasi auf Bodenhöhe liegt. Direkt neben Schuhen, Taschen, Kisten, Dreck.
Jedes Bett hatte einen dünnen nicht ganz vollständig schließbaren Vorhang – das war’s an „Privatsphäre“. Keine Tür, kein Schrank, kein Raum für sich. Über dem Bett ein schmaler Regalboden – da mussten alle persönlichen Dinge rein. Zahnbürste, Snacks, Buch, Kopfhörer, Powerbank, Tagebuch... alles in Reichweite, aber eben auch alles gestapelt und gequetscht.
Klamotten gab’s keinen echten Platz – wir haben aus Taschen gelebt. Die lagen unter dem Bett, wurden ständig geschoben, gezogen, zerdrückt. Ordnung war Glückssache.

Das Bett wurde dann schnell mein Rückzugsort. Nicht nur zum Schlafen, sondern auch zum Filme schauen, Musik hören, kurz allein sein – so weit das eben ging. Manchmal lag ich einfach nur da und hab versucht, für zehn Minuten nicht zu denken. War nicht leicht.

Büro / Arbeitsplatz – Funktion vor Komfort
Der Arbeitsplatz war rein funktional. Ein kleiner Raum, mehrere Monitore, Technik, Leitungen, Schalter, Rechner. Alles kompakt, alles durchgeplant. Stuhl, Tisch, Bildschirm – das war’s. Kein Platz für persönliche Deko, kein Platz zum Durchatmen. Du saßt direkt neben jemand anderem, man hat sich ständig gegenseitig auf den Monitor geschielt.
Beleuchtung? Grelle LEDs, keine Tageslichtsimulation. Nachtschicht um 03:00 sah genauso aus wie Schichtbeginn um 14:00. Die Zeit verliert sich dort. Kein Fenster, keine Ahnung, ob draußen Tag oder Nacht ist.
Geräuschkulisse: konstantes Brummen, Lüfter, Funkverkehr. Absolute Stille gibt’s nicht. Man lernt, damit zu leben.

Essensraum – Kantinenlevel unter Null
Der Essensbereich war... pragmatisch. Lange Metalltische, Sitzbänke, null Abstand. Jeder hat irgendwo einen Platz gefunden, nie allein, nie ruhig. Gespräche, Stimmen, Lachen, Gabeln auf Metall – Dauerbeschallung.
Das Essen selbst war ok – warm, ausreichend, manchmal sogar lecker. Aber man hat gegessen, um satt zu sein, nicht um zu genießen. Und weil alles durchgetaktet war, hieß es oft: Reinsetzen, runterschlingen, aufstehen – der nächste will auch essen.
Kein Smalltalk, keine Pausen, kein Luft holen. Manchmal hab ich mich einfach auf’s Essen konzentriert und so getan, als wäre ich woanders. Kopfhörer waren Gold wert.

Sanitärbereich – Dusche, Klo, Waschplatz
Duschen gab’s zwei. Klein, aber abschließbar – das war der einzige echte Rückzugsort auf dem Boot. Ich hab die Dusche nicht nur zum Waschen genutzt, sondern auch zum „Kurz-allein-sein“. Gedanken sortieren, Luft holen.... Aber: kein Platz, keine Zeit. Alles war durchgeplant. Wasser sparen, Zeit sparen, alle müssen durch. Also: schnell rein, schnell raus. Kein Stehen, kein Genießen. Shampoo, Seife, fertig.

Das Klo... war halt ein Klo. Sauber gehalten, aber durch ständige Benutzung oft nicht wirklich frisch. Auch hier: keine Extras, keine Ruhe. Tür zu, durchatmen, fertig.
Zähneputzen, Rasieren etc. lief im Gemeinschaftswaschraum. Zwei, drei Waschbecken, immer jemand daneben. Keine Möglichkeit, sich mal allein den Spiegel anzuschauen. Immer Bewegung, immer jemand im Blickfeld. Intime Momente gab’s nicht – alles lief öffentlich, schnell, funktional.

Fazit:
Die Räume an Bord waren nicht für Komfort gebaut. Sie waren für Effizienz gebaut. Für Funktion. Das ist okay – aber es zermürbt.
Wenn du wochenlang keinen echten Rückzugsort hast, wird dein Kopf laut. Umso wichtiger war es, sich im Kopf kleine Inseln zu schaffen: Musik, Filme, Routinen. Und ja – die Dusche war mehr als eine Dusche. Das Bett mehr als ein Schlafplatz.
Trotzdem: Ich hab jetzt einen ganz anderen Blick auf einfache Dinge. Eine abschließbare Tür. Ein Fenster. Ein Stuhl für mich allein. All das hat plötzlich Gewicht.

Fragt gern, wenn ihr mehr Details wollt.

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