Part 31 - Meine Arbeit
Hi ihr Lieben,
heute geht's mal ein bisschen weg von meinen Gefühlen und mehr hin zur Arbeit. Zum Alltag. Zum technischen Teil. Ich weiß, dass viele von Euch genau dazu Fragen hatten – was macht man denn da eigentlich konkret? Was genau ist der Job als Test- und Prüfingenieurin an Bord? Was sind das für Aufgaben? Welche Szenarien werden getestet?
Ich sag’s gleich zu Beginn: Ich darf – verständlicherweise – nicht alles erzählen. Keine genauen Bauteile, keine genauen Szenarien, keine Abläufe, keine Systeme. Sicherheit. Militär. Geheimhaltung. Ihr kennt das ja von mir.
Aber ich kann Euch einen Einblick geben, was man grundsätzlich tut und wie sich die Arbeit anfühlt. Was mich persönlich daran reizt, was daran anstrengend ist – und was richtig Spaß macht.
Was macht man eigentlich als Test- und Prüfingenieurin auf einem U-Boot (oder Schiff)?
Kurz gesagt: Ich bin zuständig dafür, dass bestimmte Systeme und Bauteile funktionieren. Unter allen Umständen.
- Es geht nicht nur darum, ob etwas „geht“, sondern ob es immer geht: unter Druck, bei Erschütterung, bei Feuchtigkeit, bei Stromausfall, im Notfall, bei Dauerbelastung, etc.
- Ich begleite gezielt Testszenarien, dokumentiere Ergebnisse, bewerte Abweichungen, melde Fehler und gebe Freigaben – oder eben nicht.
- Ich arbeite eng mit der Crew, anderen Ingenieuren und auch Werftpersonal zusammen – das ist keine One-Woman-Show.
- Es gibt festgelegte Checklisten, Protokolle, Grenzwerte, Dokumentationen – alles ist geregelt, nichts ist „Pi mal Daumen“.
- Vieles läuft strukturiert ab, aber gleichzeitig braucht es Intuition, schnelle Reaktion und technisches Verständnis, wenn mal was aus dem Ruder läuft.
- Fehler erkennen ist das eine – Fehler verstehen ist das andere. Und am Ende zählt: Was bedeutet das für die Sicherheit?
Welche Szenarien werden getestet? (Ohne Details, aber mit Vorstellungskraft)
- Notfallbetrieb (z. B. Ausfall einzelner Systeme)
- Langzeitbetrieb unter bestimmten Bedingungen
- Verhalten bei simulierten Störungen (z. B. Temperatur, Druck, Bewegung)
- Integration neuer Bauteile ins Gesamtsyste
- Verifizierung von Reparaturen oder Umbauten
Manchmal ist das alles super theoretisch, manchmal geht’s direkt ans Eingemachte – mit Helm auf’m Kopf, Werkzeug in der Hand und Checkliste auf dem Schoß. Es ist nicht nur Laborkram – man ist oft mittendrin im Schiff, teilweise auch unter Zeitdruck, unter körperlicher Belastung und definitiv außerhalb jeder Komfortzone. Tief in irgendwelchen Stahltunnel.. schon crazy.
Wie fühlt sich das an?
- Fordernd. Herausfordernd. Oft hektisch.
- Gleichzeitig total befriedigend. Weil man direkt sieht, was man tut – und weil man weiß: Das hier ist relevant. Für Menschen. Für Sicherheit.
- Du arbeitest nicht im luftleeren Raum. Du arbeitest für etwas Echtes.
- Und ja – es gibt Situationen, wo man zittert. Weil etwas nicht funktioniert. Weil man weiß: Das ist nicht nur ein Fehler im System – das ist ein potenzielles Risiko.
Aber genau das ist der Job: Fehler erkennen, bevor sie real werden.
Und ein weiteres großes Problem:
Was viele gar nicht auf dem Schirm haben: da unten gibt’s null Empfang. Kein Netz. Kein WLAN. Kein Google. Jeder noch so kleine Fehlercode, jede kryptische Warnmeldung – das musst du vor Ort lösen, mit dem, was du dabei hast: Hirn, Erfahrung, Doku, Team. Kein Stack Overflow, kein „ich frag mal schnell die IT“. Alles läuft offline. Du musst vorbereitet sein, Systeme verstehen – nicht nur bedienen, sondern wirklich durchdringen. Und du musst im Kopf haben, wo du was findest – in welchem Handbuch, auf welcher Seite, mit welchem Querverweis. Das ist oldschool, aber genau das ist der Reiz: Du funktionierst mit deinem eigenen Wissen, nicht mit dem Internet.
Ich hoffe, das gibt Euch einen kleinen Einblick. Ich schreibe gerne noch mehr zu bestimmten Aspekten, wenn ihr Fragen habt – z. B. wie man mit Druck umgeht, welche Skills man braucht oder wie die Zusammenarbeit mit der Crew läuft. Oder auch: was richtig schieflaufen kann.
Hab Euch lieb. Danke fürs Lesen!
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