Part 23 - Lea's Life: Soziale Kontake

Wieso soziale Kontakte für mich schwierig sind

Soziale Kontakte sind essenziell – sie geben Halt, bereichern das Leben und sind für die meisten Menschen selbstverständlich. Aber für mich sind sie oft kompliziert. Mein Alltag ist nicht wie der der meisten anderen. Ich verbringe Monate auf See, in einer Welt, die sich völlig von der an Land unterscheidet. Mein soziales Umfeld besteht während dieser Zeit aus der Crew und digitalen Nachrichten von Familie und Freunden. Ich bin es gewohnt, für mich zu sein, mich mit meiner Arbeit, meinen Routinen und meiner eigenen kleinen Blase zu beschäftigen.

Und dann komme ich nach Hause. Zurück in eine Welt, die sich ohne mich weitergedreht hat. Während ich mitten auf dem Ozean war, haben Freunde neue Hobbys entdeckt, Jobs gewechselt oder Beziehungen begonnen und beendet. Es gibt Insider-Witze, die ich nicht verstehe, Geschichten, die ich nur aus Erzählungen kenne, und Momente, die ich verpasst habe. In solchen Momenten fühlt es sich an, als wäre ich immer einen Schritt hinterher – als müsste ich aufholen, aber nie ganz da ankomme, wo die anderen schon sind.

Natürlich freue ich mich auf Familie und Freunde. Ich vermisse sie ja auch, wenn ich unterwegs bin. Aber jedes Wiedersehen ist auch ein bisschen überwältigend. Ich komme nicht einfach nur „nach Hause“ – ich wechsle von einer Welt in die andere. Von klar strukturierten Abläufen und festen Aufgaben auf dem Schiff hin zu völliger Freiheit und einer Flut an sozialen Erwartungen. Und genau das macht es so schwierig.


Die Angst vor dem nächsten Abschied

Einer der größten Faktoren ist das Bewusstsein, dass die Zeit begrenzt ist. Während ich an Land bin, habe ich oft nur wenige Wochen, bevor es wieder losgeht. Das bedeutet, dass jedes Treffen, jeder Besuch unter einem gewissen Zeitdruck steht. Ich weiß, dass ich bald wieder weg bin – und das führt oft dazu, dass ich mich gar nicht so richtig auf Menschen einlassen will.

Warum sollte ich mich intensiv in eine Freundschaft stürzen, wenn ich sie in ein paar Wochen wieder verlassen muss? Warum mich emotional auf Dinge einlassen, die ich dann sowieso nicht weiterführen kann? Es ist nicht so, dass ich nicht will – es ist eine Art Selbstschutzmechanismus. Denn jeder Abschied tut weh, und wenn man ihn immer wieder erlebt, lernt man, sich ein Stück weit zu distanzieren.

Gleichzeitig gibt es die „FOMO“ – die Fear of Missing Out. Während ich an Bord bin, passieren unzählige Dinge, die ich verpasse. Geburtstage, Hochzeiten, spontane Abende mit Freunden, kleine alltägliche Momente, die für andere selbstverständlich sind. Und wenn ich dann zurück bin, gibt es einen unterschwelligen Druck, all das aufzuholen. Freunde wollen sich treffen, Familie erwartet Besuche, alle freuen sich, mich wiederzusehen – aber für mich fühlt es sich oft so an, als müsste ich in kürzester Zeit all das nachholen, was andere über Monate hinweg erlebt haben.


Offline-Zeit – eine Notwendigkeit

Deshalb nehme ich mir bewusst viel Offline-Zeit, wenn ich zu Hause bin. Ich beantworte nicht jede Nachricht sofort, bin nicht ständig erreichbar, lasse das Handy auch mal auf lautlos. Nicht, weil ich die Menschen in meinem Leben nicht mag – sondern weil ich Zeit brauche, um wieder „anzukommen“.

Es gibt einen gewissen Druck, wenn man nach langer Zeit zurückkehrt. Viele Menschen möchten sich treffen, man wird zu Familienfeiern eingeladen, alte Freunde melden sich – und das ist wunderschön. Aber gleichzeitig stecke ich in einer Art Umstellungsphase. Mein Kopf ist noch nicht ganz hier. Ich muss mich erst wieder an das Leben an Land gewöhnen, an den Lärm, die Hektik, die sozialen Verpflichtungen.

Und dann gibt es auch noch die ganz praktischen Dinge. Haushalt, Einkaufen, Organisieren – all das fällt an, wenn ich zurück bin. Während meiner Abwesenheit hat sich Staub angesammelt, der Kühlschrank ist leer, vielleicht müssen Behördengänge erledigt oder Dinge repariert werden. Manchmal brauche ich einfach ein paar Tage, um das alles für mich zu sortieren, bevor ich bereit bin, mich ins soziale Leben zu stürzen.


Zwischen zwei Welten

Das Schwierige ist, dass ich mich nie zu 100 % an einem Ort verankert fühle. Wenn ich auf See bin, vermisse ich das Leben an Land. Wenn ich an Land bin, denke ich schon an die nächste Reise. Es ist ein ständiger Wechsel zwischen Nähe und Distanz, zwischen Isolation und sozialer Überforderung.

Und dann ist es gerade so, als wäre ich endlich wieder „richtig da“ – und schon packe ich wieder meine Tasche für die nächste Reise. Es ist ein Leben in Etappen, in Phasen des Ankommens und Verabschiedens. Und genau das macht soziale Kontakte für mich schwierig.


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