Part 2 - Lea's Life. Das Problem als Frau in Afrika

English version below.


Triggerwarnung: Sexuelle Belästigung


Wichtige Information vor ab: Ich stell hier ausschließlich meine eigenen Erfahrungen und Erlebnisse dar. Ich möchte hier nicht pauschalisieren oder diskriminieren. Alles geschriebe beruht auf meinen Erlebnissen und Gefühlen. 


Als weiße homosexuelle Frau in Afrika: Ein Abenteuer, das keins sein sollte

Das Leben auf einem Frachtschiff ist rau, herausfordernd und oft überraschend – aber manchmal ist es auch ein sicherer Hafen. Vor allem dann, wenn das, was jenseits der Gangway auf einen wartet, eher einem Drahtseilakt gleicht. Und genau das ist die Realität für mich als weiße, homosexuelle Frau in vielen afrikanischen Ländern.

Klingt dramatisch? Ist es manchmal auch. Denn während meine Kollegen sich auf die Landgänge freuen, um sich die Beine zu vertreten, gutes Essen zu genießen oder einfach mal den Schiffsmief loszuwerden, bleibt mir oft nur eine Frage: „Ist es das wert?“

Denn das, was für viele eine willkommene Abwechslung ist, ist für mich oft eine Situation, die mit Angst, Anspannung und Unsicherheit verbunden ist.


Landgänge: Risiko oder Freiheit?

Man muss hier klar unterscheiden. In Europa spüre ich tatsächlich nirgendwo Angst. Natürlich sollte man überall mit gewisser Vorsicht planen und handeln und nicht nachts in dunklen Gassen spazieren - egal ob Mann oder Frau. Aber meine Erfahrungen aus den letzten Jahren haben mich da abgehärtet und ich bin da wenig ängstlich, auch nachts in Europa alleine durch die Straßen zu laufen... auch in Nordamerika oder manchen asiatischen Ländern wie China oder Japan habe ich damit kein Problem... aber in Afrika....

In der Theorie sind Landgänge eine der besten Seiten des Lebens auf See. Nach Wochen auf einem Frachtschiff endlich mal wieder festen Boden unter den Füßen, neue Kulturen entdecken, gutes Essen genießen und vielleicht sogar ein bisschen das Gefühl haben, Teil der Welt zu sein.

In der Praxis? Ein Drahtseilakt zwischen „Nicht auffallen“ und „Ich kann nichts dafür, dass ich hier existiere“.

Denn als weiße Frau falle ich auf. Immer. In vielen afrikanischen Hafenstädten gibt es nur wenige Europäerinnen, und wenn, dann meist Touristinnen oder NGO-Mitarbeiterinnen, die ganz andere Lebensrealitäten und Anlaufpunkte haben als eine Seefahrerin auf Landgang. Das bedeutet: neugierige Blicke, ständiges Angestarrt-Werden und leider oft auch unerwünschte Aufmerksamkeit von Männern, die denken, dass eine allein reisende weiße Frau „offen“ für alles sei.

Das Problem? Sie respektieren kein „Nein“.

Und noch schlimmer: Oft lachen sie darüber.


Nicht ernst genommen, aber ständig unter Beobachtung

„Ach, stell dich nicht so an!“, „Das ist doch nur ein Kompliment!“,"Ist doch nicht schlimm sich mal von einem Mann ****** zu lassen." oder "Die fetten Titten kannst doch mal zeigen." – Sprüche, die ich schon oft gehört habe, wenn ich von meinen Erlebnissen erzähle. Aber es ist eben kein Kompliment, wenn mir ein Mann auf offener Straße sonst wo hin greift, weil er „mal testen will“, ob weiße Frauen anders sind oder einfach aus dem Grund, weil sie mal die Brüste einer weißen Frau angefasst haben wollten. 

Es ist keine Kleinigkeit, wenn Taxifahrer sich weigern, mich mitzunehmen, weil sie denken, ich sei eine Prostituierte – nur weil ich allein unterwegs bin.

Es ist kein Spaß, wenn Hotelmitarbeiter mir sagen, dass sie mir kein Zimmer geben, weil ich „eine Frau alleine“ bin und mich doch lieber von einem Mann begleiten lassen sollte.

Und wenn ich dann noch erzähle, dass ich lesbisch bin? Vergiss es. Das existiert für viele einfach nicht. Glücklicherweise muss ich das auch nicht erzählen, das würde vieles noch schlimmer machen. Allerdings verlangt es so der ein oder andere Papierkram am Hafen, in den Botschaften oder auch in Hotels, anzugeben, mit wem man zusammen wohnt, wer der Notfallkontakt ist oder mit wem man bisher zusammen verreist ist und wie man im System des Hotels angelegt ist. Und wenn das Mitarbeiter hier wissen, spricht sich das auch schnell mal rum. 

In einigen Ländern ist Homosexualität nicht nur gesellschaftlich verpönt, sondern illegal. Das bedeutet: Selbst wenn ich belästigt werde, kann ich nicht einfach zur Polizei gehen. Denn im schlimmsten Fall drehen sie den Spieß um und ich bin diejenige, die Probleme bekommt. So richtige Probleme. 


Taxis, Hotels und die ständige Unsicherheit

Sich frei bewegen? Lieber nicht. Während meine männlichen Kollegen sich abends in Bars setzen und das lokale Bier probieren, plane ich meine Ausflüge mit der Präzision eines militärischen Einsatzes.


Taxi oder zu Fuß?

Zu Fuß bedeutet, dass ich mich den Blicken und Kommentaren aussetze. Taxi bedeutet, dass ich mich darauf verlassen muss, dass der Fahrer mich nicht irgendwohin bringt, wo ich nicht hinmöchte. Und das ist schon problematisch. Man legt seine Sicherheit in die Hände eines fremden Mannes, der natürlich auch weiß, wie die Männer außerhalb des Taxis über mich denken. Und was sie mit mir machen würden. 


Hotel oder Schiff?

Hotels bieten theoretisch Komfort – praktisch können sie genauso unsicher sein wie die Straßen. In manchen Ländern hatte ich Hotelangestellte, die nachts an meine Tür klopften und mich fragten, ob ich „Gesellschaft“ möchte. Deshalb ist es für mich enorm wichtig, nur in westlichen Hotelketten unter zu kommen. Hilton, Intercontinental und Co. sind für mich die ersten Anlaufstellen. Kleine lokale Hotels meide ich deshalb komplett. Auch wenn ich natürlich weiß, dass die Hotels sicher auch toll und lieb und nett sein können, aber hier möchte ich einfach kein Risiko eingehen. 

Die Wahrheit? Mein Kabinenbett an Bord ist oft der sicherste Ort.


Sexuelle Belästigung: Kein „Vielleicht“, sondern „Wann“

Die Frage ist nicht, ob ich hier belästigt werde, sondern wie oft pro Tag.

Ein harmloses Gespräch im Supermarkt kann in Sekunden kippen, wenn der Mann merkt, dass ich nicht auf seine Flirtversuche eingehe. Plötzlich bin ich nicht mehr die nette Ausländerin, sondern eine arrogante „weiße Schlampe“, die glaubt, sie sei etwas Besseres.

Händeschütteln ist riskant – weil es oft nicht bei der Hand bleibt. 

In der Menschenmenge? Besser Ellenbogen ausfahren, weil sonst Hände genau da landen, wo sie nicht hingehören.

Und wenn ich dann laut werde? Dann bin ich die „verrückte Weiße“, die sich aufregt, weil sie nicht verstanden hat, „wie die Dinge hier laufen“. Und Aufmerksamkeit ist genau das, was ich hier nicht möchte. Aber die Aufmerksamkeit hätte ich hier sowieso.


Begleitung der Kollegen?

Es gibt natürlich auch die Möglichkeit sich einen oder mehreren Kollegen anzuschließen. Aber so ist man natürlich abhängig von den Plänen und Ideen seiner Kollegen und kann auch nicht mal früher gehen oder was anderes machen. Auch wenn der Kollege mal auf die Toilette muss, sitzt man dann wieder kurz alleine herum. Und eigentlich freut man sich auch auf etwas Me-Time nach Tage oder Wochen auf dem Schiff. 


Wo bekommt man Hilfe?

Es gibt nicht wirklich einen Plan. Natürlich steht die Reederei selbst immer zur Verfügung, sollte es mal Probleme geben. Aber auch die Reederei sagt: Schwieriges Pflaster, bleib lieber an Bord. Ansonsten ist auch die Polizei leider oftmals keine Hilfe. Korrupt und auf der Seite der Einheimischen zieht man hier immer den Kürzeren und hat nach dem Kontakt mit der Polizei oftmals mehr Probleme als vorher. Die Botschaft/das Konsulat sind hier ganz gute Kontakte, die einerseits helfen können, andererseits auch die Situation vor Ort immer bestens einschätzen können. Aber die beste Lösung ist natürlich, erst diesen Kontakt gar nicht brauchen zu müssen. 


Fazit: Das Schiff als sicherer Hafen

Ich wünschte, ich könnte schreiben, dass ich die Landgänge liebe, dass ich mich überall wohlfühle und dass ich keine Angst haben muss. Aber das wäre gelogen.

Es gibt Länder, in denen ich mich wohler fühle als in anderen, es gibt Orte, an denen ich mich freier bewegen kann. Aber es gibt eben auch Gegenden, in denen ich die Gangway nicht verlasse – weil das Risiko zu groß ist.

Manchmal werde ich gefragt, warum ich mir das antue, warum ich diesen Job mache, wenn er so viele Herausforderungen mit sich bringt. Die Antwort? Weil ich das Meer liebe. Weil ich das Abenteuer liebe. Und weil ich nicht bereit bin, mein Leben von Angst bestimmen zu lassen.

Aber realistisch gesehen ist das Leben als weiße, homosexuelle und weiblich geformte Frau in vielen Ländern Afrikas alles andere als einfach. Und das ist etwas, über das viel zu selten gesprochen wird. Aus der Sicht eines Touristen ist es dann auch oftmals nicht so dramatisch. Aber klar, gesicherte Hotelanlagen, der eine Touristenmarkt in der Nähe mit Überwachung und gesicherte Transfers mit dem Privattransfer vermitteln kein realistisches Bild des Landes. 


Also bleibt mir oft nur eines: Die Gangway hinunterschauen, tief durchatmen und entscheiden – heute rausgehen oder lieber an Bord bleiben?


Und oft genug lautet die Antwort: Ich bleibe lieber hier.


Eure Lea







Trigger Warning: Sexual Harassment


Important Note: This blog post is based solely on my own experiences and personal encounters. I do not intend to generalize or discriminate. Everything written here reflects my own experiences and feelings.



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As a White Lesbian Woman in Africa: An Adventure That Shouldn’t Be One


Life on a cargo ship is rough, challenging, and often surprising—but sometimes, it’s also a safe haven. Especially when what awaits beyond the gangway feels more like walking a tightrope than an adventure. And that’s exactly the reality for me as a white, lesbian woman in many African countries.


Sounds dramatic? Sometimes, it is. While my colleagues look forward to shore leave—to stretch their legs, enjoy good food, or simply escape the ship’s confinement—I am often left with just one question:


"Is it worth it?"


Because what is a welcome change for many is, for me, a situation filled with anxiety, tension, and uncertainty.



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Shore Leave: Risk or Freedom?


You have to make distinctions here. In Europe, I never feel afraid. Of course, you should always be cautious and mindful of your surroundings, no matter where you are—man or woman. But after years of traveling, I’ve grown resilient. I have no problem walking alone at night through the streets of European cities… the same goes for North America or certain Asian countries like China or Japan.


But in Africa? That’s a different story.


In theory, shore leave is one of the best parts of life at sea. After weeks on a cargo ship, finally stepping onto solid ground, discovering new cultures, enjoying good food, and feeling like you’re part of the world again.


In practice? It’s a balancing act between "trying not to stand out" and "I can’t help the fact that I exist."


Because as a white woman, I always stand out. Always. In many African port cities, European women are rare—and if they are around, they’re usually tourists or NGO workers, with completely different daily realities and social circles than a female seafarer on shore leave.


That means: curious stares, constant scrutiny, and, unfortunately, a lot of unwanted attention from men who assume that a lone white woman must be 'open' for everything.


The problem? They don’t take ‘no’ for an answer.


And even worse: They laugh about it.



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Not Taken Seriously, Yet Always Under Scrutiny


"Oh, don’t be so sensitive!"

"It’s just a compliment!"

"It wouldn’t hurt to let a man touch you."

"Those big tits, you should show them off!"


These are just some of the comments I’ve heard when I talk about my experiences.


But it’s not a compliment when a man grabs me on the street because he wants to "see if white women feel different" or simply because he wants to say he has touched a white woman’s breasts.


It’s not a minor inconvenience when taxi drivers refuse to take me because they assume I’m a prostitute—simply because I’m alone.


It’s not amusing when hotel staff tell me they won’t rent me a room because "a woman should be accompanied by a man."


And if I mention that I’m a lesbian? Forget it. That concept simply doesn’t exist for many. Fortunately, I don’t have to disclose it, but some paperwork at harbors, embassies, and hotels requires me to list emergency contacts, past travel companions, or accommodation arrangements. If a staff member finds out, the news spreads quickly.


In some countries, homosexuality isn’t just frowned upon—it’s illegal. This means that even if I’m harassed, I can’t simply go to the police. In the worst case, they turn the tables on me, and I’m the one who gets into real trouble.



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Taxis, Hotels, and Constant Uncertainty


Moving freely? Better not.


While my male colleagues go out in the evening to have a beer at a local bar, I plan my outings with the precision of a military operation.


Taxi or Walking?


Walking means exposing myself to stares and catcalls. Taking a taxi means trusting a stranger with my safety—and that is a serious gamble. I am completely at the mercy of the driver, who is fully aware of how other men outside the car think about me. And what they might do to me.


Hotel or Ship?


Hotels theoretically offer comfort—but in reality, they can be just as unsafe as the streets. In some countries, hotel employees have knocked on my door at night, asking if I "want company." That’s why I always choose international hotel chains—Hilton, Intercontinental, and the like. Small local hotels? Absolutely not. I know they can be lovely and safe, but I’m not willing to take that risk.


The truth? My cabin bed on board is often the safest place.



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Sexual Harassment: Not "If," But "When"


The question isn’t whether I’ll be harassed—it’s how many times per day.


A simple conversation at a supermarket can turn in seconds if a man realizes I’m not responding to his advances. Suddenly, I’m no longer the "friendly foreigner" but an "arrogant white bitch" who thinks she’s too good for him.


Shaking hands? Risky—because often, it doesn’t stop at the hand.


In crowded places? Better keep my elbows out—otherwise, hands end up where they don’t belong.


And if I speak up? Then I’m the "crazy white woman" who "doesn’t understand how things work here." And attention is the last thing I want. But I get it regardless.



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What About Going With Colleagues?


Yes, I could go out with my male colleagues. But then I’d be dependent on their plans and schedules. What if I want to leave earlier? Or do something different? And even when they take a bathroom break, I’m left sitting alone again.


And honestly? After days or weeks on a ship, I sometimes just want some time to myself.



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Where Can You Get Help?


There’s no perfect solution.


Of course, the shipping company is always available if something happens. But even they say: "It’s a difficult area. Better stay on board."


The police? Often corrupt and siding with locals—foreigners rarely win in these situations.


Embassies and consulates are usually the best contacts. They can assess local risks and provide assistance. But the best solution? Avoid needing them in the first place.



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Conclusion: The Ship as a Safe Haven


I wish I could say that I love shore leave, that I feel comfortable everywhere, and that I don’t have to be afraid. But that would be a lie.


There are places where I feel safer than in others. There are countries where I can move more freely. But there are also places where I don’t even step off the gangway—because the risk is simply too high.


People ask me why I put up with this, why I do this job if it comes with so many challenges. The answer? Because I love the sea. Because I love adventure. And because I refuse to let fear dictate my life.


But realistically, being a white, lesbian, and visibly female-presenting woman in many African countries is anything but easy. And it’s something that is rarely talked about.


From a tourist’s perspective, the reality is often different—secured hotel resorts, tourist markets with surveillance, and private transfers create a false sense of safety.


So I often just stand at the gangway, take a deep breath, and ask myself:


"Do I go out today, or do I stay on board?"


And more often than not, the answer is:


I’d rather stay here.


Yours,

Lea


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