Part 12 - Lea's Life: Die Erledigungen VOR der Reise
Das muss VOR der Reise erledigt werden – Vorbereitung für den Einsatz auf See
Wochen oder Monate auf einem Frachtschiff zu verbringen, bedeutet nicht nur, den Seesack zu packen und loszulegen. Wer das Leben auf See nicht zur logistischen Hölle machen will, muss sich rechtzeitig um eine Menge Dinge kümmern – denn sobald du an Bord bist, gibt es keine spontane Erledigung mehr. Hier eine Liste der wichtigsten Punkte, die VOR der Reise abgearbeitet werden müssen.
1: Gesundheit & Impfungen – Lieber vorbereitet als ausgeknockt
Frachtschiffe fahren oft durch verschiedene Klimazonen und legen in Ländern an, die nicht immer denselben medizinischen Standard haben wie zu Hause. Das bedeutet: Impfschutz checken und gegebenenfalls auffrischen lassen.
Wichtige Impfungen können sein:
• Hepatitis A & B (Lebensmittelhygiene auf See und in fremden Häfen ist nicht immer ideal)
• Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Grundimmunisierung)
• Typhus & Cholera (je nach Route)
• Gelbfieber (teilweise Pflicht für bestimmte Länder)
• Tollwut (je nach Land und ob du an Land aktiv bist, z. B. Wandern in abgelegenen Regionen)
• Covid-19 & Grippe (weil Seefahrer nicht viel Auswahl haben, wenn sie krank werden)
• Malaria Prophylaxe
Außerdem: Medikamente rechtzeitig besorgen! Wer regelmäßig Tabletten braucht, muss sicherstellen, dass er genügend Vorrat für die gesamte Reise hat – und am besten noch einen Puffer, falls sich die Rückkehr verzögert. Auch das ist ganz ganz wichtig. Wirklich zeitlich planen ist ja schwierig. Und auch hier wichtig: Zu jedem Medikament die entsprechenden ärztlichen Bescheinigungen dabei haben, da in manchen Ländern Medikamente ja strengen Richtlinien unterliegen.
2. Dokumente & Arbeitserlaubnisse – Ohne Papierkram kein Einsteigen
Ohne gültige Papiere geht auf einem Frachtschiff gar nichts. Je nach Arbeitgeber und Einsatzgebiet braucht man:
• Reisepass mit ausreichend langer Gültigkeit (mindestens 6 Monate über das geplante Rückreisedatum hinaus)
• Seemannsbuch oder vergleichbare Zertifikate (je nach Position an Bord)
• Arbeitserlaubnis für bestimmte Länder
• Visa für Häfen, in denen ein Landgang möglich oder nötig ist
• Internationale Führerscheine, falls man in fremden Häfen ein Fahrzeug nutzen muss
Viele dieser Dokumente dauern Wochen bis Monate in der Bearbeitung – also rechtzeitig drum kümmern!
3. Finanzielle Vorbereitungen – Online Banking, IP-Wechsel und Vollmachten
Geldgeschäfte von Bord aus zu regeln, kann trickreich sein. Banken reagieren oft misstrauisch, wenn plötzlich von wechselnden IP-Adressen aus eingeloggt wird – und können das Konto im schlimmsten Fall sperren. Deshalb gilt:
• Bank vorab informieren, dass man sich länger im Ausland und auf See befindet
• Online Banking absichern, z. B. mit Authentifizierungs-Apps statt SMS-TANs (die oft nicht auf See ankommen)
• Ggf. VPN-Dienst nutzen, um von überall sicher auf das Konto zugreifen zu können
• Partnerin oder Vertrauensperson mit Vollmacht ausstatten, um im Notfall finanzielle Dinge regeln zu können
• Kreditkartenlimits anpassen, falls größere Zahlungen an Land nötig sind
• Genug US Dollar dabei haben. US Dollar sind weltweit, besonders auch in Afrika überall als Zahlungsmittel zumindest so halb anerkannt und gültig... bevor man da anfängt, regionale afrikanische Währungen zu ertauschen, von denen man keine Ahnung hat.
Besonders wichtig: Falls Rechnungen oder Mieten weiterlaufen, am besten alles vorher per Dauerauftrag einrichten oder einer Vertrauensperson die Befugnis geben, sich darum zu kümmern.
4. Versicherungen – Lieber absichern als dumm dastehen
Wer auf See arbeitet, sollte überprüfen, welche Versicherungen greifen – und wo Lücken sind. Wichtige Punkte:
• Krankenversicherung mit Auslandsschutz, falls man in einem fremden Hafen ärztliche Hilfe braucht
• Unfallversicherung, die auch berufsbedingte Risiken auf See abdeckt
• Reiserücktritts- und Evakuierungsversicherung, falls man in einem Notfall ausgeflogen werden muss
• Berufsunfähigkeitsversicherung, falls etwas passiert, das langfristige Konsequenzen hat
Nicht jede normale Versicherung deckt das Arbeiten auf einem Schiff ab – deshalb unbedingt vorher ins Kleingedruckte schauen und mit dem Versicherungsmakler sprechen.
5. Kommunikation – Digital vorbereitet sein
Auf See gibt es oftmals (noch) keinen schnellen Zugang zu mobilem Internet. Sat-Internet ist oft langsam und teuer, und nicht jede Reederei erlaubt uneingeschränkten Zugang. Dank Starlink klappt das inzwischen ganz gut, aber nicht alle Regionen sind freigeschaltet und funktionieren. Vor der Abreise sollte man deshalb:
• Wichtige Apps für Offline-Nutzung vorbereiten (z. B. E-Mails synchronisieren, PDFs von Dokumenten speichern)
• VPN-Dienste einrichten, um in fremden Ländern sicher auf private Accounts zuzugreifen
• Messenger-Dienste testen, die auch bei schwacher Verbindung funktionieren (z. B. Signal oder Telegram)
• Partnerin oder Familie darüber informieren, wann und wie man erreichbar sein wird
6. Haus & Privatleben organisieren – Wer kümmert sich um was?
Lange Abwesenheit bedeutet, dass Zuhause alles geregelt sein muss:
• Post umleiten oder Vertrauensperson benennen, die regelmäßig nach dem Rechten sieht
• Haustiere, Pflanzen, Haus, Vermietungen organisieren – Mietzahlungen sichern (macht alles mein Schatzi natürlich)
• Partnerin oder Familie mit Vollmachten ausstatten, damit sie im Notfall Verträge oder Behördengänge erledigen können
• Falls notwendig, Strom/Gas pausieren oder unnötige Abos kündigen, um Geld zu sparen
Je länger die Reise, desto wichtiger ist es, alles so zu organisieren, dass keine unerwarteten Probleme auftauchen.
7. Sicherheitsausrüstung & persönliche Gear – Besser zu viel als zu wenig
Klar, ein Frachtschiff hat eine Grundausstattung – aber es gibt Dinge, die extrem praktisch sind und ich möchte hier nur mal ein paar Dinge nennen; ich denke zum Thema Gepäck schreibe ich noch einen eigenen Beitrag.
• Hochwertige Kopfhörer oder Gehörschutz, um den Lärm der Maschinen zu dämpfen
• Gute Stirnlampe oder Taschenlampe, falls man nachts an Deck oder in dunklen Maschinenräumen unterwegs ist
• Multitool oder Messer, weil es immer nützlich ist
• Ersatzbrille oder Kontaktlinsen, falls man darauf angewiesen ist
• Wasserfeste Notizbücher und Stifte, für schnelle Aufzeichnungen an Deck
8. Spezielle Genehmigungen & Lizenzen – Falls besondere Aufgaben anstehen
Je nach Auftrag oder persönlichen Interessen kann es sinnvoll sein, sich zusätzliche Lizenzen oder Scheine zu besorgen:
• Funkschein (z. B. SRC oder LRC) für den professionellen Funkverkehr
• Tauchschein, falls Unterwasserinspektionen oder Wartungen notwendig sind
• Drohnenführerschein, falls Inspektionen aus der Luft gemacht werden sollen
• Jagdschein, wenn Einsätze in Bärengebieten oder Wildnisregionen geplant sind
• Angelschein, um sich die Zeit zu vertreiben (und frischen Fisch an Bord zu haben)
• Erste-Hilfe-Kurse speziell für abgelegene Regionen, um medizinische Notfälle besser handeln zu können
Und weil es einfach cool wäre: Ich überlege, den Helikopterschein zu machen. Falls irgendwann mal ein Notfalltransport nötig ist oder einfach aus Spaß – schaden kann es nicht.
9. Notfallnummern & Krisenvorsorge – Wer vorher plant, hat im Ernstfall die Nase vorn
Auch wenn man nicht davon ausgeht, dass etwas passiert – auf einem Frachtschiff ist man weit weg von der gewohnten Infrastruktur. Deshalb sollte man sich vorher eine Liste mit wichtigen Kontakten und Adressen anlegen, sowohl digital als auch in ausgedruckter Form (falls das Handy mal den Geist aufgibt). Dazu gehören:
• Nummern der Botschaften & Konsulate in den Ländern, die man anläuft (für Visa-Probleme, Diebstahl oder Notfälle)
• Notfallkontakt des Arbeitgebers oder der Reederei, falls es Schwierigkeiten gibt
• Internationale Notrufnummern für Polizei, Feuerwehr und medizinische Hilfe in den relevanten Regionen
• Adresse & Kontakt der nächstgelegenen Krankenhäuser in den wichtigsten Häfen
• Zuständige Behörden oder Hafenmeistereien, falls es Probleme mit der Einreise oder der Crew gibt
• Nummern von Familie oder Partnerin, die im Ernstfall informiert werden sollten
Außerdem: Krisenvorsorgelisten anlegen! Was tun, wenn das Schiff in einer politischen Krise in einem Hafen festsitzt? Wie läuft eine Evakuierung ab? Welche Notfallmaßnahmen gibt es bei medizinischen Problemen? Wer sich vorher damit beschäftigt, spart sich Panik, wenn es tatsächlich brenzlig wird.
Fazit – Wer gut vorbereitet ist, spart sich unnötigen Stress
Das Leben auf See bringt genug Herausforderungen mit sich – da sollte man sich nicht noch mit unnötigen Problemen belasten, die man vorher hätte lösen können.
Je besser man organisiert ist, desto ruhiger kann man an Bord arbeiten. Wer kurz vor der Abreise noch hektisch Dokumente zusammensucht oder panisch Medikamente nachbestellt, hat schon verloren. Ich bin da zugegebenermaßen sehr deutsch und immer sehr früh mit allem fertig. Man merkt bei den ein oder anderen Kollegen, wie stressig das sonst werden kann. Und auch wenn die Liste enorm viel ist, ist es alles machbar. Vieles muss ja auch nur einmal gemacht werden (Versicherungen, Notfallkontakte...) und dann hat man damit erstmal seine Ruhe.
Also: Checkliste machen, früh genug anfangen – und dann kann das Abenteuer losgehen!
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