Part 8 - Lea's Life: Zertifikate und Scheine
Zertifikate, Scheine und Berechtigungen – Was man an Bord (und darüber hinaus) brauchen kann
Wer regelmäßig auf einem Frachtschiff unterwegs ist – sei es beruflich oder aus Abenteuerlust – kommt irgendwann an den Punkt, an dem einfache Neugier oder praktische Notwendigkeit dazu führt, immer mehr Zertifikate, Scheine und Berechtigungen zu sammeln. Manche sind zwingend erforderlich, andere einfach nur nützlich, und einige sind Dinge, die ich mir aus reinem Interesse aneigne.
Hier mal eine kleine Übersicht über die Dinge, die man auf einem Schiff gebrauchen kann – und ein paar, die einfach verdammt cool sind.
1. Jagdschein – Weil man im Norden nie unbewaffnet sein sollte
Einer der ersten Scheine, die ich gemacht habe, war der Jagdschein. Nicht, weil ich ein passionierter Jäger bin, sondern weil es in manchen Regionen schlicht lebenswichtig ist, eine Waffe sicher führen zu können.
Gerade in den eisigen Weiten von Grönland, Spitzbergen oder Nordkanada ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass man außerhalb von Siedlungen eine geeignete Waffe gegen Eisbären dabei hat. Und wer mit einer Waffe unterwegs ist, sollte auch wissen, wie man sie benutzt und verantwortungsvoll handhabt.
In Deutschland dauert die Jagdausbildung einige Monate und umfasst:
• Waffenkunde (welche Kaliber wofür?)
• Sichere Waffenhandhabung (schießen, zerlegen, laden, sichern)
• Jagdrecht (was darf wann gejagt werden?)
• Wildkunde (Spuren lesen, Verhalten von Wildtieren)
Natürlich ist ein Jagdschein kein „Eisbärenschein“, aber er gibt eine solide Grundlage für den sicheren Umgang mit Waffen – und das ist in der Arktis wichtiger als jede noch so warme Jacke.
2. Tauchschein – Weil die Unterwasserwelt genauso spannend ist wie die Maschinenräume
Ein Tauchschein mag auf einem Frachtschiff erstmal seltsam klingen – schließlich ist es keine Luxusyacht mit Schnorcheltrips. Aber es gibt viele Situationen, in denen es extrem nützlich sein kann, tauchen zu können.
Zum Beispiel:
• Überprüfung des Rumpfs nach einer Grundberührung oder einem Zwischenfall
• Bergung von Ausrüstung oder Ankern
• Tauchgänge an abgelegenen Orten während Landgängen
Der klassische PADI Open Water Diver ist ein guter Einstieg, aber für ernsthafte technische Anwendungen wäre ein Berufstauchschein oder ein Advanced Open Water mit Wracktauchen vielleicht noch interessanter. Den braucht man auch, um sich unter den Frachtschiffen bewegen zu können und dürfen.
3. Angelschein – Frischer Fisch statt Kantine
Viele Seeleute haben eine einfache Regel: Wenn du im Hafen bist oder das Schiff mal stillliegt – fisch dir dein eigenes Essen.
Ein Angelschein (z. B. der deutsche Fischereischein) ist nicht unbedingt nötig, wenn man in internationalen Gewässern fischt, aber es hilft, die Grundlagen zu kennen:
• Welche Fischarten sind essbar?
• Wie reinigt man einen Fisch richtig?
• Welche Köder und Techniken funktionieren wo?
Gerade in Regionen wie Norwegen oder Alaska kann man sich mit ein paar Würfen eine Mahlzeit aus dem Meer ziehen. Und ehrlich gesagt: Frischer Fisch schmeckt besser als vieles, was aus der Schiffskombüse kommt.
4. Drohnenschein – Weil man von oben einfach mehr sieht
Moderne Drohnen sind nicht nur Spielzeug, sondern perfekte Werkzeuge für:
• Inspektionen des Schiffs (z. B. schwer zugängliche Stellen am Rumpf oder in der Takelage)
• Aufnahmen von Landschaften und Routen
• Sicherheit (z. B. um in gefährlichen Regionen eine Erkundung aus der Luft zu machen)
In vielen Ländern ist für Drohnenflüge ein Drohnenführerschein oder zumindest eine Registrierung erforderlich – in der EU gibt es dafür die A1/A3- oder A2-Kategorie. Wer professioneller Drohnenpilot sein will, kann sogar eine gewerbliche Lizenz machen. Ich habe die A1 - A3 Lizenzen, dazu eine internationale, die auch in den USA und Kanada gültig ist. In den internationalen Gewässern braucht man keinen Schein.
5. Brandschutz und medizinische Soforthilfe – Überleben auf hoher See
Jeder, der auf See unterwegs ist, sollte eine Grundausbildung in Brandschutz und medizinischer Notfallversorgung haben. Feuer ist eine der größten Gefahren auf einem Schiff, und ein Notarzt ist oft Tage entfernt.
Einige nützliche Zertifikate:
• Basic Safety Training (STCW) – International anerkannt, umfasst u. a. Feuerschutz und Überlebensstrategien
• Erste-Hilfe-Kurse für abgelegene Gebiete – Erweiterte Notfallmedizin, weil ein Krankenhaus nicht in 10 Minuten erreichbar ist
• Erweiterte Feuerbekämpfung – Umgang mit Bränden in Maschinenräumen oder auf Deck
Und ja, es hilft natürlich enorm, dass meine Verlobte Ärztin ist – aber sie ist nicht immer dabei, also sollte ich mich auch selbst zu helfen wissen.
6. Maschinen- und Kranführerscheine – Weil große Dinge zu bewegen Spaß macht
Ein Frachtschiff ist eine Maschine voller Maschinen. Und wer mit schweren Geräten hantieren kann, hat auf See immer einen Vorteil.
Nützliche Scheine könnten sein:
• Staplerschein – Praktisch, wenn man in Häfen oder auf Deck mit Containern hantieren muss
• Kranführerschein – Hilft, wenn man mit Hebevorrichtungen an Bord arbeiten muss
• Motorwartungskurse – Für Notfälle oder eigene Projekte mit Booten oder Fahrzeugen
7. Schiffsscheine – Warum nicht auch selbst fahren?
Auch wenn ich meist als Ingenieurin an Bord bin, finde ich es spannend, selbst die Kontrolle zu übernehmen. Ein paar interessante Optionen:
• Sportbootführerschein See (SBF See) – Erlaubt das Fahren von Motorbooten bis 20 Meter auf See
• Segelschein – Wenn man irgendwann lieber ohne Motor reisen will
Manche davon sind nicht zwingend nötig, aber es schadet nie, sie zu haben – vor allem, wenn sich irgendwann mal die Gelegenheit ergibt, selbst ein kleineres Boot zu steuern. Die kleinen Scheine gelten natürlich nicht für die großen Frachter, aber die theoretischen Wissen helfen, das große Frachtschiff zu verstehen.
8. Funkschein – Kommunikation auf hoher See
Egal, ob auf einem Frachtschiff, einem kleinen Motorboot oder in extrem abgelegenen Regionen – sichere Kommunikation ist überlebenswichtig. Und da draußen gibt es kein Handy-Netz.
Ein Funkzeugnis ist nicht nur eine bürokratische Formalität, sondern eine essenzielle Fähigkeit, um im Notfall Hilfe zu holen, mit anderen Schiffen zu kommunizieren oder einfach nur legal ein Funkgerät bedienen zu dürfen. Es gibt verschiedene Lizenzen, die je nach Einsatzzweck Sinn machen:
• SRC (Short Range Certificate) – Für UKW-Seefunk, Reichweite ca. 30 Seemeilen, reicht für die meisten Sportboote
• LRC (Long Range Certificate) – Deckt zusätzlich Grenz- und Kurzwelle ab, wichtig für weltweite Kommunikation
• GMDSS-Zertifikate – Falls man auf größeren Schiffen mit deren professionellen Funkanlagen arbeiten will
Ein Funkgerät zu haben ist das eine – es auch richtig bedienen zu können, ist das andere. Es gibt klare Protokolle, Notrufverfahren und Frequenzen, die man kennen muss. Gerade in Notfällen kann es lebensrettend sein, wenn man weiß, auf welchen Kanälen man wen erreicht.
Und mal ehrlich: Mit einem richtigen Funkgerät zu hantieren, fühlt sich einfach verdammt cool an. 😎
9. Helikopterschein – Die nächste große Herausforderung?
Ich überlege schon länger, einen Helikopterpilotenschein zu machen. Nicht, weil ich regelmäßig auf Hubschraubern unterwegs bin, sondern einfach, weil es eine verdammt coole Fähigkeit ist.
Helis sind oft die einzige Möglichkeit, abgelegene Regionen zu erreichen – sei es in der Arktis, in Dschungelgebieten oder auf Hochseeplattformen. Und wenn man sich mal anschaut, wie oft Helis für Evakuierungen oder Frachtlieferungen genutzt werden, macht es einfach Sinn, sich damit auszukennen.
Die Ausbildung ist nicht billig, aber wer weiß – vielleicht wird das mein nächstes großes Projekt.
Fazit – Warum so viele Scheine?
Manche dieser Zertifikate sind notwendig, andere sind einfach nur nützlich – und einige davon sind einfach Hobbys, die mit der Zeit zu Qualifikationen wurden.
Letztendlich geht es mir darum, möglichst unabhängig zu sein. Egal, ob ich gerade auf einem Frachtschiff, auf einem Landgang in der Wildnis oder irgendwo mitten im Nirgendwo bin – ich will wissen, was ich tue, und mich selbst absichern können.
Und ganz ehrlich? Es macht einfach verdammt viel Spaß, immer wieder neue Dinge zu lernen.
Und auch noch wichtig ist: Nicht nur die notwendigen Scheine zu machen und zu besitzen, sondern auch immer mitzunehmen und nicht Zuhause im Schreibtisch zu vergessen 😆 Und zu wissen, wo welche Scheine gelten und in welchen Ländern manche Lizenzen vielleicht nicht wirken.
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